Rede von Frank Börner anlässlich der Mahnwache

www.gudensberg.de vom 28.02.2022

SOLIDARITÄT MIT DER UKRAINE: MAHNWACHE UND SPENDENAUFRUF

  1. Februar 2022

Am Samstagnachmittag trafen sich rund 450 Menschen aus Gudensberg und der Region zu einer Mahnwache gegen den Angriffskrieg auf die Ukraine. Organisiert hatte sie der Gudensberger Partnerschaftsverein, der die Beziehungen zu den Partnerstädten Jelcz-Laskowice in Polen und Schtschyrez in der Ukraine fördert.

Vereinsvorsitzender Ingbert Radloff zeigte sich tief erschüttert, dass nun die Freundinnen und Freunde in Schtschyrez und der ganzen Ukraine vom Tod bedroht sind. Der ehemalige Bürgermeister Gudensbergs und Kreistagsabgeordnete Frank Börner beschrieb in ergreifenden Worten seine Gefühle und berichtete von seinem letzten Videotelefonat mit dem Bürgermeister von Schtschyrez. Als Reservist trug Oleh Vasylyshyn seinen Kampfanzug. Er hatte von den Maßnahmen des Kriegszustandes berichtet: der Einberufung der Reservisten in die Armee, der Bildung der bewaffneten Territorialverteidigung, der Mobilisierung des Krankenhauses und der Vorbereitung auf viele Flüchtlinge aus den besonders umkämpften Gebieten.

Neben Vertreterinnen und Vertretern der Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung sprachen auch der Erste Stadtrat Günter Hempel und Dr. Thorsten Ebert aus Kassel. Er hatte als beratender Energieexperte im September 2021 erstmalig die Ukraine und die Stadt Schtschyrez besucht. In bewegenden Worten beschrieb er die herzliche Gastfreundschaft, die er erleben durfte. Ebert sagte, er hätte fröhliche und freundliche Menschen kennengelernt. Der Krieg wird viel zerstören, aber nicht den Willen der ukrainischen Menschen nach Freiheit und Demokratie.

An der Mahnwache nahmen auch Staatssekretär Dr. Edgar Franke, Landrat Winfried Becker, der Erste Kreisbeigeordnete Jürgen Kaufmann, der Landtagsabgeordnete Günter Rudolph und Regierungspräsident Mark Weinmeister teil.

Spendenaufruf für die Partnerstadt Schtschyrez
In Schtschyrez sind bereits die ersten Flüchtenden aus der mittleren und östlichen Ukraine eingetroffen, vor allem Frauen, Kinder und alte Menschen. Es werden sehr Viele erwartet, die in Schtschyrez untergebracht, verpflegt und medizinisch versorgt werden sollen. Dazu werden die Turnhallen und Dorfgemeinschaftshäuser so weit es geht vorbereitet. Vieles fehlt nämlich: Heizstrahler, Notstromaggregate, Decken, Matratzen, Schlafsäcke und medizinisches Material. Deshalb hat der Gudensberger Partnerschaftsverein einen Spendenaufruf gestartet. Die Daten sind unter https://pv-gudensberg.de zu finden.

Rede von Frank Börner anlässlich der Mahnwache gegen den Krieg in der Ukraine in Gudensberg am 26.02.2022

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, liebe Freunde der Ukraine,
ich spreche heute als ehemaliger Bürgermeister und Kreistagsabgeordneter. In diesen Minuten kämpfen und sterben unsere Freunde in der Ukraine.

Ich hätte nie gedacht, dass einmal mein Freund und Bürgermeister Oleh Vasylyschyn im Kampfanzug zu mir spricht. Ich hätte nie geglaubt, dass ich einmal einen Anruf meines Freundes und Reiseleiters Pawlo bekomme, der um Helme, Schutzwesten und Blutstopper bittet. Die werden doch bei Euch nicht gebraucht, hat er gesagt.

Und in unserer Partnerstadt Schtschyrez sind, wie überall in der Ukraine, alle wehrfähigen Männer zu den Waffen gerufen. Das mit Gudensberger Hilfe ausgerüstete Krankenhaus in Schtschyrez bereitet sich gerade auf das Schlimmste vor.

„Wir wollen nur in Frieden und Freiheit leben“, so die Worte des
Bürgermeisters Vasylyshyn, und, „lieber Frank“, so sagte er zu mir „das sollen alle Bürger in Gudensberg wissen, ihr seid unsere Freunde“.

Doch die Mächtigen in Russland wollen genau das zerstören. Als Feinde der Demokratie, predigen Sie Hass und Angst. Das ist eine Kriegserklärung für alle Demokratien auf der Welt. Mit dieser Logik erleben wir gerade den Überfall Russlands auf die Ukraine. Einen Überfall auf ein friedliebendes Land. Einen Überfall auf Menschen, die nichts weniger wollen, als in Frieden und Freiheit zu leben, so wie das für uns Europäer lange Zeit als selbstverständlich erschien.

Frieden und Freiheit sind aber alles andere als selbstverständlich. Die Menschen in der Ukraine haben sich Frieden und Freiheit in den letzten 30 Jahren unter schwersten Bedingungen erkämpft und mit den Toten auf dem Maidan in Kiew und 14.000 toten Soldaten in der Ostukraine teuer bezahlt. Auch in Schtschyrez habe ich an den Gräbern der Gefallenen gestanden. Jetzt kämpfen die Menschen wieder, verteidigen nichts anderes als die Freiheit ihrer jungen und noch lange nicht ausgereiften Demokratie. Und es wird wieder viele Tote geben. Sie verteidigen auch unsere Freiheit. Kein Staat hat das Recht, den Ukrainern ihre Zukunft zu nehmen. Kein Staat hat das Recht, dieses Land kaputt zu bomben und die Welt an den Rand des 3. Weltkrieges zu bringen.

Viele dieser Menschen haben wir in unserer Partnerstadt Schtschyrez persönlich kennen- und schätzen gelernt, so wie Bürgermeister Oleh Vasylyshyn. Dort gibt es keine Kriegstreiber, wie es Putin ja den Ukrainern unterstellt. Und Kriegstreiber gibt es auch nicht im Rest der Ukraine. Das dürfen Sie mir glauben, denn ich habe die Ukraine in den letzten 10 Jahren unzählige Male besucht, bin Hunderte Kilometer quer durchs Land gereist, konnte viele Gespräche mit einfachen Menschen, aber auch mit Bürgermeistern und Regierungsvertretern führen.

Während Deutschland Aufbauhilfen in der Größenordnung von 2 Mrd. € geschickt hat, schickte Putin stets nur Hasstiraden und jetzt seine Panzer, Raketen und Bomben. Er will die Geschichte mit Gewalt zurückdrehen. Das muss nun jedem von uns klar sein.

Was können, was müssen wir tun?

Liebe Freunde der Ukraine, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

es reicht nicht mehr aus, dem Elend des Krieges im Fernsehen zuzusehen. Die Menschen in der Ukraine erwarten, dass wir aufstehen, so wie heute bei dieser mächtigen Kundgebung in Gudensberg. Sie erwarten, dass wir Putin in die Schranken weisen. Dafür werden auch wir einen Preis bezahlen müssen. Es bedarf harter Sanktionen, Landeverbote für russische Privatflieger und Geldsperren für ein paar Oligarchen reichen da bestimmt nicht aus.

Wehret den Anfängen! Wenn wir es nicht schaffen, Putin zu bremsen, dann wird sein Hunger andauern, dann werden weitere Länder zu seinen Opfern werden. Für ihn sind wir der verhasste Westen. Unsere ukrainischen Freunde haben uns das immer wieder gesagt und leider Recht behalten. Gudensberg setzt heute ein Signal der Solidarität mit unseren Freunden in der Ukraine. Lieber Bürgermeister Oleh Vasylyschyn: Gudensberg lässt Euch nicht im Stich. Wir unterstützen unsere Partnerstadt so gut wir können. Wir sind und bleiben die Freunde der Ukraine! Slava Ukraïni!

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